6. Titelsuche

Ihre Dozentin legt Ihnen für Ihre Arbeit einen Text ans Herz, der in den Regalen Ihrer Hochschulbibliothek stehen soll: "Virtuelle soziale Netzwerke. Communities im Cyberspace" von Anke Truscheit, erschienen im Sammelwerk "Nachhaltige Informationsgesellschaft" von Uwe Schneidewind, Anke Truschheit und Gerriet Steingräber. Sie gehen an den Rechner und tippen [ truscheit netzwerke cyberspace ] in die Eingabemaske des Katalogs. Ergebnis: null Treffer! Haben Sie einen Fehler gemacht? Oder hat Ihre Dozentin sich vertan?

In dieser Einheit erfahren Sie, wie sich nach einem Dokument suchen lässt, dessen Titeldaten Ihnen vollständig oder wenigstens zum Teil bekannt sind. Es werden einige Fallstricke vorgestellt, die zu Misserfolgen führen können.


6.1 Titelsuche: Schritt für Schritt

Bei einer Titelsuche wissen Sie bereits, nach welchem Dokument Sie suchen – beispielsweise nach einem ganz bestimmten Zeitschriften­aufsatz oder einem ganz bestimm­ten Buch. Die bibliogra­phischen Daten des Dokuments (Titel, Autor, Erscheinungsjahr, Verlag etc.) sind Ihnen teilweise oder ganz bekannt. Drei Beispiele:

  • Beispiel 1: Im Quellenverzeichnis eines Wikipedia-Artikels entdecken Sie den Hinweis auf ein Fachbuch, dessen Titel vielversprechend klingt. Die suchrelevanten bibliographischen Angaben sind vollständig aufgeführt.

  • Beispiel 2: Ihr Professor empfiehlt Ihnen einen Zeitschriften­auf­satz. Leider erinnert er sich nur noch an Autor und Titel, nicht aber an den Namen der Zeitschrift.

  • Beispiel 3: Bei der Suche in einer Nachweis­datenbank stoßen Sie auf einen Aufsatz, dessen Abstract für eine hohe Themen­relevanz spricht. Da es keinen Link zu einem Volltext gibt, ist Ihre Suche noch nicht zu Ende.

Wie können Sie in solchen und ähnlichen Fällen vorgehen, um an die gedruckten oder elektronischen Volltexte zu kommen? Die übliche Vorgehensweise besteht aus fünf Schritten:

  • Schritt 1: Falls erforderlich, fehlende bib­lio­gra­phische Ang­aben ermit­teln! Nutzen Sie Google (Scholar) oder Amazon, um fehlende Daten zu ermitteln. Positive Neben­wirkung: Möglicher­weise ge­langen Sie über Google direkt an den elektronischen Volltext des Dokuments.

  • Schritt 2: Dokumenttyp feststellen! Lesen Sie aus den bib­lio­graphischen An­gaben den Typ des Doku­ments ab. Für die Wahl und die Verwendung des Suchwerkzeugs sind zwei Fragen wichtig: Handelt es sich um …
    graue oder um nicht-graue Li­teratur? (→ relevant für die Aus­wahl des Such­werk­zeugs)
    selbständig oder un­selbständig er­schienene Li­teratur? (→ rele­vant für die Aus­wahl des Such­werk­zeugs und die For­mu­lierung der Such­an­frage)
  • Schritt 3: Recherche­mittel aus­wählen! Nutzen Sie z. B. die Website Ihrer Biblio­thek, um ein geeignetes Such­mittel auszu­wählen. Denken Sie daran: Es gibt derzeit keine Anlaufstelle, die Ihnen Zugang zu allen Dokumenttypen liefert.

  • Schritt 4: Suchaus­drücke fest­legen und Recherche starten! Meistens ist es nicht erfor­der­lich, alle vor­liegenden biblio­graphischen Angaben in die Suchzeile des Werkzeugs zu tippen. Beschränken Sie sich auf wenige zielführende Ausdrücke, z. B.:
    Dokumentart Suchmittel Suchwörter
    Fachbuch beliebig Nach­na­me erst­ge­nann­ter Au­tor plus zwei, drei sinn­tra­gen­de Ti­tel­wör­ter
    Sammelband beliebig Nach­name erst­genann­ter Heraus­ge­ber plus zwei, drei sinn­tra­gen­de Ti­tel­wör­ter
    Zeitschriften­auf­satz Volltext­daten­bank z. B. Nach­na­me erst­ge­nann­ter Au­tor plus zwei, drei sinn­tra­gen­de Ti­tel­wör­ter des Auf­satzes
    Sammelband­bei­trag Volltext­daten­bank z. B. Nach­na­me erst­ge­nann­ter Au­tor plus zwei, drei sinn­tra­gen­de Ti­tel­wör­ter des Bei­trags
    Zeitschriften­auf­satz Bibliotheks­kata­log Name der Zeit­schrift oder ISSN
    Sammelband­bei­trag Bibliotheks­kata­log Nach­na­me erst­ge­nann­ter He­raus­ge­ber plus we­ni­ge sinn­tra­gen­de Ti­tel­wör­ter des Ban­des

    Angaben wie Verlag, Verlagsort, Seitenzahl oder Auflage sind als Suchausdrücke nur in Ausnahmefällen von Bedeutung.

  • Schritt 5: Bei Misserfolg: Suchanfrage prüfen und neu ausführen! Ist Ihre Suche erfolglos, bietet sich als Verfahren an:

    1. Alte Eingabe auf Rechtschreibfehler prüfen!
    2. Neue Suchanfrage mit neuen Ausdrücken starten (siehe Abschnitt 6.2)!
    3. Suchwerkzeug wechseln!


6.2 Fehlerquellen bei der Titelsuche

Erhalten Sie bei einer Titelsuche null Treffer, bedeutet dies nicht unbedingt, dass der Titel nicht in der gewählten Datenbank enthalten ist. Auch bei der Eingabe von Suchausdrücken lassen sich Fehler begehen. Typische Fallstricke sind:

  • Fallstrick 1: zu viele und zu komplizierte Suchausdrücke! Je mehr Suchausdrücke Sie eingeben und je 'komplizierter' diese sind, desto wahrscheinlicher wird es, dass Sie sich vertippen oder ein Wort nutzen, das in einem eigentlich passenden Datensatz falsch geschrieben wurde. Fehlt eine automatische Rechtschreibkorrektur, kann das resultierende Null-Treffer-Ergebnis schnell missgedeutet werden – nämlich als Information, dass das Dokument nicht in der Datenbank verzeichnet ist.

    Beispiel: Sie suchen nach dem folgenden Dokument:

    Kinzel, Olga (2015): Einfluss des Genotyps der sauren Sphingomyelinase auf die Höhe des Carbohydrat-defizienten Transferrins bei alkoholabhängigen Patienten, Dissertation, Erlangen: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
    als Sucheingabe nicht zu empfehlen:
    kinzel olga einfluss des genotyps der sauren sphingomyelinase auf die höhe des carbohydrat-defizienten transferrins bei alkoholabhängigen patienten ]
    besser:
    kinzel einfluss genotyps patienten ]
  • Fallstrick 2: mehrere Autoren- oder Herausgebernamen! Einige Dokumente besitzen mehrere Verfasser oder Herausgeber. Um Fehlschläge zu vermeiden, sollten Sie nur mit dem Nachnamen des Autors oder Herausgebers suchen, der in den bibliographischen Angaben als Erstes angeführt wird. (Hierbei muss es sich nicht um den alphabetisch ersten handeln!) Hintergrund: (a) Es kann vorkommen, dass nicht alle Namen in den Datensätzen des Suchwerkzeugs verzeichnet sind. (b) In manchen Datenbanken sind nur die Anfangsbuchstaben der Vornamen erfasst.

    Beispiel: Sie suchen nach dem folgenden Dokument:

    Senge, Peter M. / Kleiner, Art / Smith, Bryan et al. (2004): Das Fieldbook zur Fünften Disziplin, 5. Aufl. Stuttgart: Klett-Cotta.
    als Sucheingabe nicht zu empfehlen:
    senge peter kleiner art smith bryan fieldbook disziplin ]
    besser:
    senge fieldbook disziplin ]
  • Fallstrick 3: mögliche alternative Schreibweisen! Bei der Schreibweise von Suchausdrücken sind folgende Unterschiede in der Regel bedeutungslos: (a) Groß- oder Kleinschreibung, (b) mit oder ohne Akzentzeichen, (c) ä, ö, ü, ß oder ae, oe, ue, ss. Gewöhnlich gilt also:

    Modell ] = [ modell ]
    écologique ] = [ ecologique ]
    vorwärtsfließpressen ] = [ vorwaertsfliesspressen ]

    Vorsicht ist dagegen geboten bei: Bindestrichwörtern und Namen, die aus anderen Buchstabensprachen übertragen worden sind, z. B. aus dem Kyrillischen.

    Bindestrichwörter: Je nachdem, welches Suchwerkzeug Sie nutzen, kann es einen Unterschied machen, ob Sie mit [ marketinginstrument ], [ marketing-instrument ] oder [ "marketing-instrument" ] suchen: Einige Werkzeuge wandeln die Eingabe [ marketing-instrument ] z. B. automatisch in [ marketing instrument ] um, Datensätze mit "Marketing-Instrument" werden in diesem Fall nicht gefunden. Um Fehlschläge zu vermeiden, bietet es sich an, Bindestrichwörter in Anführungszeichen zu setzen ([ "marketing-instrument" ]) oder auf ihre Eingabe zu verzichten.

    Umschriften: Der Autor Достоевский könnte in den Datensätzen eines Suchwerkzeugs z. B. mit "Dostojewskij", "Dostojevskij" oder "Dostojevski" erfasst worden sein. Eine Anfrage wie [ dostojewskij böse geister ] erfasst nur eine dieser Schreibweisen.

    Um die verschiedenen Schreibweisen abzudecken, könnten Sie den Oder-Operator, die Trunkierung oder die Maskierung einsetzen. Beispiele:

    konsenstheorie OR "konsens-theorie" ]: findet "Konsenstheorie" oder "Konsens-Theorie"
    me?er ]: findet "Meyer", "Meier", "Meaer", "Meber" usw.
    dostojevsk* ]: findet "Dos­to­jevs­ki", "Dos­to­jevs­kij", "Dos­to­jevs­kaja" usw.

  • Fallstrick 4: Suche nach unselbständig erschienener Literatur in Bibliothekskatalogen! Unselbständig erschienene Dokumente sind in sich geschlossene Texte (mit Autor und Titel), die als Teil eines größeren Dokuments veröffentlicht worden sind:

    selbständig er­schie­nene Quel­len unselbständig er­schie­nene Quel­len
    Fach­zeit­schrift (ei­ne Aus­gabe) Auf­satz in Fach­zeit­schrift
    Zei­tung (eine Aus­gabe) Ar­tikel in Zei­tung
    Sam­mel­band Bei­trag in Sam­mel­band
    Kon­gress­band Bei­trag in Kon­gress­band
    Fach­buch – [Ent­spre­chung: Ka­pi­tel im Buch]

    Wenn Sie in Bibliothekskatalogen nach einem unselbständig erschienenen Dokument suchen, sollten Sie hierzu nur Angaben nutzen, die sich auf das übergeordnete selbständig erschienene Dokument beziehen. Das heißt: Bei der Recherche nach einem Zeitschriftenaufsatz sollten Sie nicht z. B. mit Wörtern aus dem Titel des Aufsatzes oder mit dem Namen des Verfassers suchen, sondern mit dem Namen der Fachzeitschrift.

    Beispiel: Sie suchen nach folgendem Dokument:

    Bernd Noche (2003): Strategische Studien zur Analyse ganzer Fabriken, in: Bayer / Collisi (Hrsg.): Simulation in der Automobilproduktion, S. 139-149.
    als Sucheingabe nicht zu empfehlen:
    noche studien fabriken ]
    noche bayer ]
    besser:
    bayer automobilproduktion ]
  • Fallstrick 5: Suche nach Zeitschriften mit Zeitschriftennamen! Recherchieren Sie in einer Datenbank mit dem Namen einer Zeitschrift, erhalten Sie unter Umständen eine Vielzahl irrelevanter Treffer. Grund: Die Ausdrücke, die den Namen einer Zeitschrift bilden, könnten gute Kandidaten für Stich- oder Schlagwörter sein – also auch häufig in den Titeln von Büchern oder deren Beschreibungen auftauchen. Ein Beispiel ist die "Philosophy of Science": Suchen Sie mit dem Namen dieser Fachzeitschrift in der Digitalen Bibliothek (DigiBib) und schränken Sie Ihre Suche auf Titelwörter ein, werden Ihnen allein für die Deutsche Nationalbibliothek über 1.100 Treffer angezeigt. Um solche Ergebnisse zu vermeiden, ist es hilfreich, die ISSN einer Zeitschrift zu kennen und diese anstelle des Namens zu verwenden. Die ISSN der Printausgabe der "Philosophy of Science" lautet z. B. "00318248". Führen Sie mit ihr eine Suche in der DigiBib durch (→ Suchschlüssel 'ISSN'), erhalten Sie für die Deutsche Nationalbibliothek nur noch zwei Treffer: einen für die Printausgabe der Zeitschrift und einen für die elektronische Ressource.

    Zwei gute Möglichkeiten, die ISSN einer Zeitschrift zu ermitteln, sind:

    Google-Suche mit dem Zusatz "issn", z. B. [ "philosophy of science" issn ],
    Suche in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB), z. B. mit [ philosophy of science ].

6.3 Quizfragen

1.

Sie möchten das Arbeitspapier "Automatisierte Kontrollen in der Beschaffung. Exemplarische Konzeption und Umsetzung" von Sebastian Press lesen. Welches Werkzeug bietet sich für die Titelsuche an?

a)Suchmaschine (z. B. Google)
b)Dokumentenserver (z. B. Econstor)
c)Bibliothekskatalog (z. B. eBib)
d)Online-Versandhändler (z. B. Amazon)

Lösung ein/aus

2.

Sie recherchieren in einem Bibliothekskatalog nach dem Dokument aus dem Eingangsbeispiel: "Virtuelle soziale Netzwerke. Communities im Cyberspace" von Anke Truscheit, erschienen im Sammelband "Nachhaltige Informationsgesellschaft" von Uwe Schneidewind, Anke Truschheit und Gerriet Steingräber. Ihre Anfrage mit [ truscheit netzwerke cyberspace ] erzeugt null Treffer. Was haben Sie falsch gemacht?

a)Gar nichts! Das Dokument ist nicht im Katalog verzeichnet (oder nur fehlerhaft).
b)Die Anfrage enthält einen Rechtschreibfehler.
c)Sie haben Groß- und Kleinschreibung nicht beachtet.
d)Sie haben mit Angaben gesucht, die ein unselbständig erschienenes Dokument betreffen.

Lösung ein/aus

3.

Betrachten Sie das folgende Literaturverzeichnis. Welche Einträge stehen für unselbständig erschienene Dokumente (z. B. für Zeitschriftenaufsätze)?

a)Bocherens, Hervé (2011): Diet and Ecology of Neanderthals. Implications from C and N Isotopes, in: Nicholas J. Conard / Jürgen Richter, Hrsg. (2011), S. 73-86.
b)Conard, Nicholas J. / Richter, Jürgen, Hrsg. (2011): Neanderthal Lifeways, Subsistence and Technology. One Hundred Fifty Years of Neanderthal Study, Dordrecht: Springer.
c)Falk, Dean (1975): Comparative Anatomy of the Larynx in Man and the Chimpanzee. Implications for Language in Neanderthal, American Journal of Physical Anthropology, 43(1), S. 123-132.
d)Hublin, Jean-Jacques (2009): The Origin of Neanderthals. Proceedings of the National Academy of Sciences, 106(38), S. 16022-16027.

Lösung ein/aus

4.

Betrachten Sie die Literaturangabe: Lukosch, Heide / van Bussel, Roy / Meijer, Sebastiaan (2014): A Serious Game Design Combining Simulation and Sandbox Approaches, in: Sebastiaan Meijer / Riitta Smeds (Hrsg.): Frontiers in Gaming Simulation, Dordrecht: Springer, S. 52-59. Welche der enthaltenen Ausdrücke sind Angaben, die zu dem selbständig erschienenen Dokument gehören, in welchem der Text erschienen ist?

a)meijer
b)game
c)springer
d)lukosch

Lösung ein/aus

5.

Sie suchen in einer Volltextdatenbank nach dem Dokument: Hidaka, Hiroyoshi / Inagaki, Masaki et al. (1984): Isoquinolinesulfonamides. Novel and Potent Inhibitors of Cyclic Nucleotide-dependent Protein Kinase, Biochemestry, 23(21), S. 5036-5041. Welche der folgenden Suchanfragen ist nach allem bisher Gesagten am ehesten zu empfehlen?

a)Hidaka Inagaki Isoquinolinesulfonamides cyclic nucleotide-dependent protein kinase ]
b)hidaka inhibitors protein kinase ]
c)hidaka isoquinolinsulfonamides ]
d)biochemistry ]

Lösung ein/aus

6.

Sie recherchieren nach dem Text "Referential Opacity and Modal Logic" des norwegischen Philosophen Dagfinn Føllesdal. Was ist dabei zu beachten?

Lösung ein/aus


6.4 Zugrunde gelegte Literatur

Viele praktische Tipps und Beispiele zur Titel­suche finden Sie in Franke/Klein/Schül­ler-Zwier­lein (2010) und Müller/Plieninger/Rapp (2013).

  • Franke, Fabian / Klein, Annette / Schüller-Zwier­lein, Andre (2010): Schlüssel­kompeten­zen. Litera­tur recher­chieren in Biblio­theken und Inter­net, Stutt­gart: Metz­ler.
  • Müller, Ragnar / Plieninger, Jürgen / Rapp, Christian (2013): Recher­che 2.0. Fin­den und Weiterver­arbeiten in Studi­um und Be­ruf, Wies­baden: Sprin­ger.

Stand: 20.12.2015, S. Bagusche

 

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